Samstag, 1. November 2008
Tag 5
11:30 Ankunft in Udaipur. Konnten gegen Ende der Hoellentour doch noch ein paar Stunden schlafen und wurden mit einem kleinen aber wunderschoenen Zimmer im Hotel unserer Wahl belohnt. Auftanken bei einem Fruehstueck auf dem Rooftop Restaurant und dann zu Fuss den Ort erkunden.
Udaipur ist beruehmt fuer die umliegenden Seen und den Inselpalast, der auch im Bond-Klassiker Octopussy zu sehen ist (der laeuft hier jeden Abend in einer der Bars).
Abgesehen von der wunderbaren Kulisse sind die Bettler hier wesentlich aufdringlicher als in Mumbai und die Stadt ist auch ansonsten sehr touristisch. Casey und ich hatten anfaenglich gedacht, uns hier einen Tag laenger zum ausruhen zu goennen, haben aber soeben unsere naechsten Zugtickets (diesmal ohne Warteliste) nach Ajmer am kommenden Montag Morgen gebucht. Ausser einer Menge Touristen und einer schoenen Landschaft drumherum gibt der Ort fotografisch nicht viel her. Werden versuchen uns fuer morgen zwei Motorraeder zu organisieren um damit ein wenig aus der Stadt herauszukommen und das Umland zu erkunden.

Fuer alle daheimgebliebenen Fotografen:
Lest tatsaechlich mal Susan Sontag "Ueber Fotografie". Und ueberlegt mit uns ab wann und warum den Menschen in einer bestimmten Kultur das fotografiert werden ploetzlich suspekt erscheint. Wenn ich in Deutschland jemanden Fremden auf der Strasse um ein Portrait bitte, bin ich zu 20, maximal 50% erfolgreich. hier in Indien sagt fast jeder sofort ja ... manchmal wird man sogar um ein Foto gebeten (und das nicht nur von Kindern). Aber auch hier gibt es schon Misstrauische ... ich bin gespannt, wie sich das die naechsten Jahre entwickelt.

Euch allen ein wunderbares Wochenende und die besten Gruesse aus Indien!
Michi

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Tag 4
Lange ausgeschlafen, Sachen gepackt, wunderbar (verglichen mit vorigen Erlebnissen) gefruehstueckt, Geld gewechselt und dann ab zum kleinen Ticketoffice das uns die Plaetze auf der Warteliste zum Zug verschafft hatte. Uns wurde versichert, dass Platz 2 und 3 auf der Warteliste praktisch ein sicheres Ticket seien. Dem war dann eher nicht so.

Etwas verzweifelt entschieden wir uns dann doch fuer die teurere, leangere und unkomfortablere Tour per Bus nach Udaipur ... hatten uns beide schon auf die naechste Stadt gefreut und ausserdem darauf, das laute Mumbai zu verlassen.
Etwas resigniert und unmotiviert wanderten wir wieder durch die Strassen und versuchten die Zeit bis zur Abreise um 18:00 rumzukriegen. Am Morgen hatte ich eine Idee fuer eine kleine Serie und begann wenigstens dafuer einn paar Portraits zu machen. Mir waren am Vortag die unterschiedlichen und teilweise wunderschoenen Ornamente auf den Tueren der Taxis aufgefallen ... meine Portraits zeigen nun diese Tueren mit den Logos und darueber die Gesichteer der Fahrer, die aus dem Fenster schauen. Wird recht lustig glaub ich und ich versuche die Serie in Kalkutta und Delhi fortzufuehren.

Am Abend startete dann die grausamste Bustour, die ich je erlebt habe.
In unserem reservierten Sleeper-Abteil war die Fensterscheibe abhanden gekommen und kurzerhand durch eine natuerlich lichtdichte Sperrholzplatte ersetzt worden. Da der Bus komplett ausgebucht war, hatten wir also 17 Stunden in einem sargahnlichen Liegewagen vor uns. Hinzu kamen vergleichsweise kleine Misslichkeiten wie Gestank, zu kalte und nicht regulierbare Aircondition und Hindi-Filme in voller Lautstaerke. Schon eine halbe Stunde nach Abfahrt stand fest: nie wieder Bus.

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Donnerstag, 30. Oktober 2008
Tag 3
Nachdem uns Mumbai einen so wunderbaren Start geschenkt hat, wurden wir heute zunaechst mal auf die Probe gestellt. Nach einer mehr oder weniger schlaflosen Moskitonacht begannen wir unseren Tag mit der Suche nach den Food-Wallahs. Nach einigem Fragen und Suchen hatten wir schliesslich Zeit und Ort der taeglichen Verteilungsaktion herausgefunden und warteten gespannt. Erst nachdem eine halbe Stunde nichts passiert war, klaerte uns ein Passant auf, dass wegen Diwali gerade Ferienzeit war. Dumm gelaufen ... wir hatten uns beide sehr darauf gefreut. Mein Magen war immer noch etwas angeschlagen von gestern, Casey war genauso muede wie ich und so beschlossen wir uns ein wenig im Hotel zu schonen und erst am Nachmittag zu einem zweiten Ausflug in die Slums aufzubrechen.
Vor unserer Rueckkehr zum Hotel wurden wir allerdings noch von allen moeglichen Verkaeufern, Bettlern und Taxifahrern belagert ... Mumbai ist unbarmherzig mit Touristen, die Schwaeche zeigen ...

Unser zielloses Wandern wurde auch an diesem Nachmittag belohnt. Wir wurden in winzige verwinkelte Gaesschen regelrecht aufgesogen und landeten mitten in einem Viertel fuer Metallverarbeitung. Die Menschen - meist Kinder und Jugendliche - sitzen dort in Huetten, die fast mittelalterlichen Verliessen gleichen, und stanzen, fraesen, bohren und drehen im Akkord. Fotografieren waere zu riskant gewesen (wir wurden auch so schon mehr oder weniger freundlich hinausgebeten) aber den Anblick werden wir wohl beide nicht vergessen.

Nach einem erlebnisreichen aber fotoarmen Nachmittag startete ich am Abend eine Idee, die mir gestern kam. Seit meiner Ankunft hier beschaeftigen mich die starken Veraenderungen in Richtung westlicher Kultur. Nun wollte ich einen exemplarischen Strassenzug herausgreifen und die dortigen Laeden mitsamt ihren Besitzern portraitieren. Im Abstand von einigen Jahren wuerde ich die gleichen Laeden wieder aufsuchen und die Veraenderungen dokumentieren. So weit so gut. Bei meinen ersten Fotos und Gespraechen stellte sich allerdings heraus, dass sich in den letzten Jahren wenig fuer die Menschen dort veraendert hat ... einige besitzten sogar schon seit mehr als 50 Jahren den gleichen Laden in der zweiten und dritten Generation.
Trotz diesem Rueckschlag fuer meine urspruengliche Idee, konnte ich einige hoffentlich gelungene Portraits machen, habe ein paar schoene Geschichten gehoert und sehr nette Menschen kennengelernt.
Nachdem der Vormittag eher anstrengend war, sind wir nun wieder mit Indien versoehnt und sind beide gespannt, ob wir morgen unseren Zug nach Udaipur bekommen.

Liebe Gruesse an Euch alle!
Michi

PS: Meinem Magen gehts besser ... werd mich auf diesem Trip wohl hauptsaechlich vegetarisch ernaehren.
PPS: Nachdem wir nun beide beim Fotografieren in Fahrt gekommen sind, ueberlegen wir gerade, noch einen Abstecher nach Kalkutta einzulegen. Weiteres in Baelde

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Mittwoch, 29. Oktober 2008
Tag 2
Auch unser zweiter Tag verlief wunderbar. Wurden am Anfang beim organisieren unserer Zugfahrt nach Udaipur zwar etwas gelinkt/bedraengt, stehen aber nun auf Platz 2 und 3 der Warteliste fuer einen Nachzug raus aus Mumbai (am Freitag). Der Rest des Tages verlief aehnlich wie gestern ... Umherwandern, treiben lassen und Motive suchen ... einige schoene Portraits und ein toller Einblick in die groesste Waschmaschine Mumbais, die Mahalaxmi Ghats. Eine ganze Kolonie aus Waeschern saeubern hier die Handtuecher, Laken und Uniformen aus den Mumbaier Hotels etc.
Waren in Slums unterwegs, in die ich mich bei meinem ersten Trip nie getraut haette ... und nur eine Minute davon entfernt in den neuesten Einkauspassagen mit Aircondition und Security Check am Eingang.
Das libanesische Schawarma von heute Abend liegt mir etwas im Magen, aber vielleicht hilft das Absacker-Bier, das wir uns gleich noch genehmigen werden.
Die letzten beiden Abende waren im uebrigen erfuellt von Geknalle und Feuerwerk ... das Hinduistische neue Jahr beginnt gerade ... "Happy Diwahli!".

Bis bald,
Michi

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