Donnerstag, 30. Oktober 2008
Tag 3
Nachdem uns Mumbai einen so wunderbaren Start geschenkt hat, wurden wir heute zunaechst mal auf die Probe gestellt. Nach einer mehr oder weniger schlaflosen Moskitonacht begannen wir unseren Tag mit der Suche nach den Food-Wallahs. Nach einigem Fragen und Suchen hatten wir schliesslich Zeit und Ort der taeglichen Verteilungsaktion herausgefunden und warteten gespannt. Erst nachdem eine halbe Stunde nichts passiert war, klaerte uns ein Passant auf, dass wegen Diwali gerade Ferienzeit war. Dumm gelaufen ... wir hatten uns beide sehr darauf gefreut. Mein Magen war immer noch etwas angeschlagen von gestern, Casey war genauso muede wie ich und so beschlossen wir uns ein wenig im Hotel zu schonen und erst am Nachmittag zu einem zweiten Ausflug in die Slums aufzubrechen.
Vor unserer Rueckkehr zum Hotel wurden wir allerdings noch von allen moeglichen Verkaeufern, Bettlern und Taxifahrern belagert ... Mumbai ist unbarmherzig mit Touristen, die Schwaeche zeigen ...

Unser zielloses Wandern wurde auch an diesem Nachmittag belohnt. Wir wurden in winzige verwinkelte Gaesschen regelrecht aufgesogen und landeten mitten in einem Viertel fuer Metallverarbeitung. Die Menschen - meist Kinder und Jugendliche - sitzen dort in Huetten, die fast mittelalterlichen Verliessen gleichen, und stanzen, fraesen, bohren und drehen im Akkord. Fotografieren waere zu riskant gewesen (wir wurden auch so schon mehr oder weniger freundlich hinausgebeten) aber den Anblick werden wir wohl beide nicht vergessen.

Nach einem erlebnisreichen aber fotoarmen Nachmittag startete ich am Abend eine Idee, die mir gestern kam. Seit meiner Ankunft hier beschaeftigen mich die starken Veraenderungen in Richtung westlicher Kultur. Nun wollte ich einen exemplarischen Strassenzug herausgreifen und die dortigen Laeden mitsamt ihren Besitzern portraitieren. Im Abstand von einigen Jahren wuerde ich die gleichen Laeden wieder aufsuchen und die Veraenderungen dokumentieren. So weit so gut. Bei meinen ersten Fotos und Gespraechen stellte sich allerdings heraus, dass sich in den letzten Jahren wenig fuer die Menschen dort veraendert hat ... einige besitzten sogar schon seit mehr als 50 Jahren den gleichen Laden in der zweiten und dritten Generation.
Trotz diesem Rueckschlag fuer meine urspruengliche Idee, konnte ich einige hoffentlich gelungene Portraits machen, habe ein paar schoene Geschichten gehoert und sehr nette Menschen kennengelernt.
Nachdem der Vormittag eher anstrengend war, sind wir nun wieder mit Indien versoehnt und sind beide gespannt, ob wir morgen unseren Zug nach Udaipur bekommen.

Liebe Gruesse an Euch alle!
Michi

PS: Meinem Magen gehts besser ... werd mich auf diesem Trip wohl hauptsaechlich vegetarisch ernaehren.
PPS: Nachdem wir nun beide beim Fotografieren in Fahrt gekommen sind, ueberlegen wir gerade, noch einen Abstecher nach Kalkutta einzulegen. Weiteres in Baelde

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